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Jens Rudolph blogt
12. November 2010 | Gesundheit
Die kalte Jahreszeit ist über uns hereingebrochen und Erkältungen ziehen wieder häufiger in unsere Köpfe ein und lassen die Nasen kribeln. Doch wie sollte man reagieren, wenn das Gegenüber seinem Niesreiz erliegt? Im Kindergarten bekommt man nach wie vor anerzogen, dass man ein Gesundheit an den Niesenden richten solle. Und der möchte dann mit einem Danke reagieren. Auch unsere Tochter hat diese Verhaltensweise aktuell in der Krippe eingetrichtert bekommen und erwidert nun auf sämtliche unserer unfreiwilligen "Kopfgeräusche" ein wie aus der Pistole geschossenes Hundheit Papa bzw. Hundheit Mama.
Soweit zu den landläufig gepflegten Umgangsfloskeln. Blicken wir auf die Geschichte des Gesundheit Wünschens, liegen die Intensionen hinter diesem Spruch jedoch ganz anders. Vor vielen Jahren grassierten häufiger tötliche Seuchen und Grippen, das Gesundheitswesen war weitgehend machtlos. Wenn ein Gegenüber Niesen musste, dann war der bereits krank. Der erwiderte Wunsch Gesundheit galt dann nicht dem Erkrankten, sondern der eigenen Verfassung. Es war quasi ein Beten dafür, dass die eigene Gesundheit intakt bleibe.
Vor diesem Hintergrund gilt es laut Knigge, der ja bekanntlich unsere Umgangsformen regelt, als unangemessen einen Nieser mit Gesundheit zu erwidern. Wenn ein Erkrankter das Nasengeräusch nicht unterdrücken kann, sollte sein Gegenüber so galant sein und dies wohlwollend ignorieren. Der ausgesprochene Gesundheit-Wunsch bauscht das als kleines Malheur geltende Niesen nur auf und gibt der Sache eine Wichtigkeit, die der Ursache nicht angemessen ist.
So haben sich in der heutigen Zeit zwei Lager etabliert - die Gesundheit-Wünscher und die Ignorierer. Seit dem mich meine Frau Mama vor vielen vielen Jahren darauf hinwies, dass man Gesundheit nicht (mehr) wünschen würde, gehöre ich zu den Ignorierern. Lediglich wenn ich einem niesenden Gegenüber förmlich ansehen kann, dass er meinen Wunsch erwartet, komme ich diesem nach. Im familiären Rahmen oder im stillen Büro lasse ich das Hatschi kniggekonform unkommentiert.
Das gilt vor allem dann, wenn man sich gerade nicht im direkten Gespräch befindet und man seinen Wunsch erst 3 Tische weiter hinüber rufen müsste. Auch ist es nicht sehr sinnvoll einen Gesundheitswunsch in einer Gruppe von Menschen zu äußern (Großraumbüro, Familienfeier) - hier hätte ein einzelnes kleines Nieserchen zur Folge, dass der komplette anwesende Personenkreis ein vielfaches an Gesundheit-Rufen erzeugen müsste. Und so viel Aufmerksamkeit ist kein Schnupfen wert.
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