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Jens Rudolph blogt
24. Februar 2010 | Lauwarme Coke
Eines meiner Hobbies ist das Essen - und dazu zähle ich auch den gelegentlichen Gang zu einer der Fast Food Lokalitäten aus Übersee. Und da jüngst auch der Geflügelfritierer aus Kentucky eine Niederlassung in Dresden eröffnet hat und ich auch andernorts noch nie geschafft hatte KFC einen Besuch abzustatten, war am Samstag Premiere. Gegen 20:30 betraten wir das Restaurant in der Dresdner Centrum Galerie und fanden es, abgesehen von ein paar gelangweilten Angestellten, weitgehend leer vor. Dieser Umstand lenkte den Blick nicht vom eher schlichten Interieur ab, der Raum strahlt den Flair eines beliebigen Schnellrestaurant aus - ungefähr das Image, welches McDonalds durch konsequente Neugestaltung seiner Restaurants zu Cafe-Chillout-Hütten in den vergangen Monaten loswerden möchte.
Da ein ungesundes Mahl aber sowieso kaum vom Lokal denn vom Geschmack abhängt, orderten wir schließlich einen der Pappeimerchen mit totem Huhn nebst Pommes Frittes und Softdrink. Für mich ist letztgenanntes stets eine eiskalte Coke in der ich immer eine gute Portion Eiswürfel schwimmen haben möchte. Da sich in der Vergangenheit bei BurgerKing und dem vorhin erwähnten Donalds scheinbar eingebürgert hat den Pappbecher ohne das gefrorene Wasser auf die Theke zu stellen, war auch bei KFC nichts anderes zu erwarten. Was aber verwunderte: die Coka Cola wurde nicht aus dem Spender in der Theke entnommen, es kam aus einer handelsüblichen 1.5 Liter Mehrwegflasche. Das stört sicher wenig, wenn 1. des Getränk kühl und 2. Eiswürfel darin sind (damit das noch einen Moment so bleibt). Punkt eins wurde mir versichert, den zweiten Punkt, so hoffte ich, kann ich auch durch Nachfragen beheben. Und während man mir diesen Wunsch beim Wettbewerb gern mit einem Schäufelchen des harten H2O erfüllt, erntete ich im Dresdner KFC betretene Mienen - man habe keinen Eiswürfelspender. Auf meine Nachfrage, warum die dunkle Zuckerlösung auf den Fotografien aber mit Eis abgebildet ist, bekam ich nur den Verweis auf den Geschäftsführer und den Hinweis, dass die Flasche doch aus dem Kühlschrank käme.
Da für mich, wie gesagt, eine Coke ohne Eis aber keine wahre Coke ist, lies ich meinen Unmut an den Geschäftsführer übermitteln und erntete von meiner Frau - sicher nicht ganz unberechtigt - mismutige Blicke ob meiner Kleinlichkeit. Da an der Situation nun aber nichts zu ändern war, liesen wir uns mit der gewählten Speise an einem der vielen leeren Tische nieder. Ein Biss in die fritierten Kartoffelstreifen war erfreulich knackig, dass selbst im Menu Ketchup oder Majonaise extra 20 Cent kosten weniger. Der erste Schluck aus dem kleinen Strohhälmchen (deutlich kleinerer Durchmesser als bei der Konkurenz, daher recht ungeeignet für kohlensäurehaltiges Gut) rundete den unschönen ersten Eindruck ab: er war lauwarm. In dieser Form serviert widerspricht es nicht nur der von Coca Cola empfohlen Darbietungsform, es schmeckt ganz einfach lausig. Der Becher ging sofort zurück zur Theke. Die Bedienung entschuldigte sich vielmals und wies mir freundlich eine der 0.5 litrigen Flaschen aus dem Kühlregal am Ausgang zu. Diese war dann in der Tat kalt und konnte nun zum Mahl getrunken werden. Doch noch bevor ich einen Happen der Huhnteile nehmen konnte, poppte neben uns der junge Herr Fillialleiter auf, ebenfalls mit einer Entschuldigung auf den Lippen. Meiner Frau war dies offensichtlich ungeheuer peinlich - ich wollte aber doch wissen, wie es sein kann, ein so amerikanisches Lokal ohne Eiswürfel an den Start zu schicken. Die nüchterne Erklärung: Die Geschäftsleitung habe sich bewußt gegen einen Eiswürfelspender entschieden! Ferner wäre leider der Sirup für die Pipeline ausgegangen, weshalb aus handelsüblichen Flaschen ausgeschenkt werden müsse - dass das Getränk dabei warm an den Kunden ging täte ihm aber leid.
Bei den frittiert-fettigen Hühnchenteilen ist vor allem das Hauptmerkmal markant: sie sind fettig. Die Panaden sind zwar durchaus schmackhaft und reichen von scharf bis pfeffrig, von pappig bis kornflakes-knackig - im Inneren bleibt aber das Huhn ein Huhn (was nichts Schlechtes ist). Zum Tisch getragen wird das Essen übrigens branchenüblich auf einem Kunststofftablett, welches mit einem Papierzettelchen mit Produktinfos belegt ist. Auch sonst ist alles billig-zweckmäßig in Plastik und Papier gehalten - warum dem Kunden dazu noch Porzelanschälchen für die Hähnchenteile sowie für den Transport der Pommes mit auf dem Weg gegeben werden, kann sich mir darum nicht erschließen. Diese Teile vermögen das American-Imbiss-Wegwerf-Ambiente nicht zu verbessern, sondern wirken hier einfach deplatziert und unsinnig.
Der erste Eindruck, den KFC bei mir nun hinterlassen hat, ist - wie man meinem Exkurs sicher entnehmen kann - nicht unbedingt der besste. Das Essen als solches ist für mich als Fast-Food-Fan durchaus schmackhaft, das Gesamtpaket in der Dresdner Centrum Galerie hat sich von mir aber keinen zweiten Besuch verdient. Dies ist natürlich nur mein ganz persönliches Fazit - ein jeder sollte sich, so er will, bei einem eigenen Besuch sein eigenes Urteil bilden.
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Zu diesem Thema wurden bereits diese Kommentare abgegeben:
25.03.2010 | 10:04:53 | Eintrag Nummer 1
Danke erstmal für den informativen Bericht! Bislang war ich in keinem KFC-Restaurant und vermutlich werde ich auch zukünftig keines besuchen. Schon von mehreren Seiten habe ich gehört, dass das Essen in den Läden ziemlich teuer wäre und man in Relation dazu sehr wenig Service erhält. Die Sache mit der warmen Cola setzt dem ganzen natürlich noch die Krone auf...