ENDE - Der letzte Eintrag Ja, richtig gelesen - das hier ist der (vorerst) letzte Eintra... weiter
Information
__________
Du willst mehr über die Person wissen, die diese Seite verzapft hat? Dann schaue in den
Lebenslauf.
Werbung
Werbung
Billiger geht HD kaum
Digitale Pocket DV Aiptek AHD C100 im Test
Jüngst habe ich mir mit der Aiptek AHD C100 ein neues elektronisches Spielzeug zugelegt. Und wenn ich verrate, dass es sich dabei um eine digitale Videokamera zu einem Preis von 77 Euro (Produktlink: Conrad) handelt, dann meine ich auch Spielzeug. Trotzdem soll hier kurz behandelt werden, was man von der Kamera erwarten darf und wo die Schwächen liegen.
Natürlich steht der Name Aiptek nicht unbedingt für hochwertige Markenware, trotzdem ist es unangebracht per se alle Produkte aus diesem Hause von vorn herein schlecht zu machen. Darum beginnen ich mit den schnöden technischen Daten, welche sich erst einmal gar nicht schlecht lesen:
5 Megapixel Sensor
Digitalzoom (digital bedeutet nicht ernsthaft benutzbar)
Fotos in 3MP, 5MP (12MP interpoliert)
Filmauflösung 320x240, 640x480, 720x480 (4:3)
Filmauflösung 1280 x 720 (30fps; 16:9)
SD-Slot bis 8GB SDHC
HDMI und cinch Ausgang (beide Kabel inklusive)
USB 2.0
Akku NP-60 1000 mAh Li-Ion
Aufnahmeformate: JPEG (Foto); MP4 (Video)
Blitzlicht (nur für Fotos, mit Vorblitz gegen rote Augen)
fern und makro Bereich 30 cm bis Unendlich (mechanisch über Linsenring)
mono Tonaufnahmen (WAV)
eingebauter Lautsprecher
Stativgewinde
Ferner ist im Kameramenu auch ein Punkt für einen elektronischen Bildstabilisator zu finden, der aber nicht ernsthaft benutzt werden kann, weil dann die Videosequenzen anfangen zu rucken. Außerdem sind diverse andere Konfigurationsmöglichkeiten wie Weißabgleich, Helligkeitsregulierung und optische Effekte wie Sepia oder auch Bilderrahmen zuschaltbar.
Die Kamera wird bedient über eine Reihe Funktionstasten, die allesamt einen deutlichen Knackpunkt besitzen. Dieser Knack ist wörtlich zu nehmen, alle durch die mechanische Bedienung erzeugten Geräusche (Stop-Taste, Pausenfunktion, Digi-Zoom, Drehen des Display usw.) werden über das Mikrofon auf den Filmton gebannt.
Ganz allgemein ist das Gerät in einem simplen Plastikgehäuse untergebracht, welches keine zu dicke Wandstärke zu besitzen scheint. Vermag es aus einer Betrachtungsentfernung größer 1m noch als solide empfunden werden klärt die haptische Erfahrung schnell darüber auf, dass es das ist, was der Preis verspricht: billig. Unter dem Akkudeckel, den ich nicht wirklich häufig öffnen und schließen möchte, sitzt nur recht wackelig der Stomspender und der Slot für die SD-Karte.
Das 2,4" Display lässt sich in 2 Achsen schwenken, was Überkopfaufnahmen erleichtert. Die Anzeige ist kein Auflösungsgigant, zeigt aber alle Funktionen über Icons gut erkennbar an - ein Studium der Bedienungsanleitung ist eigentlich nicht notwendig, denn alle Punkte sind logisch platziert. Das Betriebssystem ist angenehm flink und zwischen Einschalten und Filmstart liegt kaum mehr als eine Sekunde (wenn man die animierte oder personalisierte Startsequenz deaktiviert).
Die Linse liegt hinter einer Plasikscheibe, welche nicht weiter geschützt ist. Bauartbedingt lässt die Optik natürlich kaum Licht hinein, weshalb die Filmfunktion in schlecht beleuchteten Räumen nicht verwendbar erscheint. Man kann ihr zwar mit einer Nachtfunktion zur Hilfe eilen - das aber wird offenbar durch längere Belichtungszeiten erreicht, was mit einem sichbaren abfallen der Bildfrequenz (und damit Ruckeln) erkauft werden muss.
Fotos hingegen können noch geschossen werden, denn es ist ein Blitz eingebaut. Allerdings muss aufgepasst werden, dass dieser nicht mit einem Finger verdeckt wird, denn beim normalen Halten der Kamera in der Faust liegt normalerweise ein Finger dort. Der Sensor löst zwar bis 5 Megapixel auf, da das simple Linsensystem dem aber nicht gewachsen ist, reicht es das Bild in guten 3 Megapixeln aufzunehmen. Die 12 Millionen interpoliteren Punkte sind sowieso nur eine Randnotitz und für nichts gut außer für unbedarfte Werbeprospektleser.
Bis hierhin mag alles recht ernüchternd klingen aber als nächstes möchte ich auch die positiven Aspekte benennen. Zuerst muss man sagen, dass die Fotofunktion für den Schnappschuss zwischendurch sehr gut gerüstet ist und deutlich über dem Schnitt von Handykameras liegt. Ein paar Beispielfotos, aufgenmommen mit der Aiptek AHD C100, sollen zeigen was machbar ist:
Unbearbeitete Bilder aus der Aiptek Kamera (anklicken zum Laden)
Da die Meisten sicher eher mit der Filmfunktion liebäugeln, will ich auch auf diese Eingehen. Getestet habe ich lediglich die HD-Variante in 16:9 mit 1280 x 720 Pixeln. Da wie erwähnt der Bildstabilisator unbrauchbar ist, sollte man zusehen einen stabilen Stand zu haben und das Gerät zweihändig zu führen. Besser ist es natürlich ein Stativ zu verwenden oder man plaziert die Kamera einfach so auf einer waagerechten Fläche. Löblicherweise ist der Boden nämlich plan und auch mit ausgeklappten Display verliert die Kamera nicht das Gleichgewicht, wenn sie mal auf dem Boden, Tisch einer Parkbank etc. platziert.
Auf das Zoomen während des Filmens sollte verichtet werden, denn der Digitalzoom arbeitet nur schrittweise (rucken) und die Tastengeräusche (knacken) sind wie gesagt deutlich zu vernehmen. Da das häufige Zoomen unter informierten Filmamateuren aber sowieso als Unart gilt (der spätere Betrachter wird es einem danken), kann darauf gut verzichtet werden. Ansonsten ist die elektronische Vergrößerung sowieso nur bis zu einer gewissen Stufe praktikabel, weil sonst das Bild in Unschärfen versinkt.
Mit etwas Fingerspitzengefühl schaffe ich es mittlerweile auch recht zuverlässig den Marko-Ring zum manuellen Fokussieren zwischen nahen und fernen Objekten nutzen. Auf dem Display kann man ausreichen gut erkennen welche Bereiche schaft dargestellt werden und es sind so nette Effekte möglich (siehe Beispielfilm). Da bei digitalen Filmen natürlich der Datendurchsatz eine wichtige Rolle bei der Qualität spielt wechselt diese natürlich analog zu den dargestellten Details. Schwenkt man zum Beispiel über einen Wald mit vielen Blättern, dann verlieren diese technikbedingt während der Bewegung an Schärfe. Artefakte oder ähnlich grobe Qualitätsverluste sind aber nicht zu verzeichnen - auf meinem 32 Zoll LC-TV sieht alles noch sehr gut aus.
Auch hier kann ich viel Beschreiben aber erst Beispielvideos zeigen was machbar ist und ob man die Qualität überzeugend findet oder nicht. Darum habe ich einige Filmche für Interessenten im Internet abgelegt, wegen der Originalgröße (HD, 16:9) aber nicht auf meinem Webspace sondern auf Wuala (der von mir bevorzugten Onlinefestplatte).
Wie sich die Kamera verhalten soll, wenn sie via USB an einen PC gesteckt wird, kann man einstellen. Ich habe lediglich den Disk-Modus ausprobiert (die Kamera erscheint als Wechselmedium - läuft natürlich auch unter Vista ohne Treiberinstallation). Außerdem kann die Aiptek AHD C100 auch als Webcam betrieben werden oder sie meldet sich als Drucker - da ich beides nicht benötige verzichte ich auf unnötige Treiber. Nebenbei sei anzumerken, dass der Akku bei einer USB-Verbindung aufgeladen wird
Kommen wir nun zum Lieferumfang. Im Karton liegt neben der Kamera mit Akku ein USB-Kabel, ein USB-Ladegerät, HDMI- und Chinc-Kabel, Trageschlaufe und natürlich das Anleitungsheftchen und eine CD. Der Datenträger enthält neben den Treibern (die ich wie gesagt nicht auf mein Vista-System gelassen habe) auch noch Programme aus dem Hause ArcSoft. Und auf diese möchte ich auch noch kurz eingehen, sind sie doch nicht von schlechten Eltern.
Dabei habe ich wiederum nur einen Teil gestestet, denn an der beiliegenden Fotosoftware ArcSoft Photoimpression hatte ich kein Interesse. Was mich interessierte war, wie ich die MP4 Daten weiter verarbeiten kann (denn der Vista-Hauseigene VideoMaker kam mit den 16:9 Daten gar nicht klar). Auf der CD liegen dafür die OEM Versionen der Programme von TotalMedia Extreme parat. Diese bestehen zunächst aus einem Videoeditor, der sich die auf wichtigsten Features wie Texteinblendungen, Schnitt und Überblendeffekte usw. versteht.
Exportiert werden können die Daten als MPG, MOV und WMV Daten oder direkt in den eigenen YouTube Account. Hat man nun also die HD Daten angepasst wird für die meisten das DVD-Authoring interessant sein. Auch hier werden alle nötigen Dienste zur einfachen Menugestaltung geboten. Und wer über die entsprechende Hardware verfügt, kann nicht nur Standard PAL DVDs erstellen, sondern darf die hochaufgelösten Filme auch standesgemäß auf BlueRay Disc mastern.
Das einfache anschauen der MP4-Files funktioniert im Übrigen mit dem frei verfügbaren VLC Mediaplayer am besten. Und wer sich unter Windows daran stört, dass die Vorschaubildchen wie sie z.B. für AVI, MPEG und Co. erzeugt werden, für MP4 Videos fehlen, der muss einfach diese kleine Datei auf seinem Rechner abspeichern und ausführen: mp4_thumbs.reg (schreibt in die Registry, dass auch für MP4 ein Thumbnail erzeugt werden soll.)
Unter dem Strich muss ich sagen, dass sich der Kauf gelohnt hat. Für (in meinem Fall) 77 Euro bekommt man eine ausreichend ausgereifte Hardware und dazu eine solide Softwarebasis, die im Einzelkauf bereits diesen Wert hat. Für richtige Fotos benutze ich weiterhin meine Kodak mit 10fachem optischen Zoom und für richtige Filme reicht meine alte Sony Hi8 weiterhin aus. Die Aiptek AHD C100 hingegen passt stets in den Rucksack oder die Jackentasche und bietet für sponate Filme eine befriedigende Leistung.
Wenn dir dieser Bericht weitergeholfen hat oder du Anmerkungen dazu hinterlassen möchtest, würde ich mich über einen Kommentar freuen. Wenn du in Eile bist reicht aber auch schon ein Klick auf den Yigg-Button oben links. Solltest du einen Kauf in Erwägung ziehen, dann kannst du meine Seite unterstützen, indem du über einen der eingebauten Werbelinks (z.B. zu Conrad) auf die Bestellung zugreifst.
Nachtrag vom 19. Januar 2009: Da ich immer wieder Fragen zur Akkulaufzeit erhalten habe noch ein paar Worte dazu. Der Kamera fehlt es wie erwähnt an sämtlichen mechanischen Komponenten, die mit elektrischen Motörchen bewegt werden müssten. Daher ist der einzige höhere Stromverbraucher das Blitzlicht. Die reine Aufnahmefunktion sowie das (nicht abschaltbare) Display sind also die Hauptverbraucher beim Filmen. Die brauchen aber relativ wenig Energie und so verlangt der Camcorderakku beim reinen Filmen erst nach einer Aufnahme von ca. 4-5 Stunden wieder nach einer neuen Ladung.
Nachtrag vom 31. Januar 2010: Nach knapp 1,5 Jahren Benutzung suchte der erste Ausfall diese Billigkamera heim. Da die Taster keinen mechanischen Anschlag besitzen und sämtliche Kräfte, die auf die Druckknöpfe ausgeübt werden, auf die Platine wirken, löste sich einer der Schalter. Die Reparatur gestaltete sich glücklicherweise recht einfach: Aiptek AHD C100 Reparatur.
Jens Rudolph - Dresden, den 23.09.2008
Alle Texte und Abbildungen Copyright 2006 - 2012 Jens Rudolph